Judith Hornok

Slider

Fitness Programm für die Lähmende Angst

Woche 2

NACHRICHTEN-KONSUM-SELBSTDISZIPLIN – Nur soviel Nachrichten anschauen, wie man selbst ertragen kann.

Ich mag Nachrichten-Schauen, sie sind spannend, unterhaltsam, informativ und regen untereinander für Gespräche und Diskussionen an. Was also würden wir ohne Nachrichten tun, wäre doch langweilig, oder?

Die Herausforderung ist, eine Selbst-Einschätzung durchzuführen. Wieviel kann ich von den News ertragen? Lähmt es mich in meinem Denken und meiner Reaktion? Oder ist es ein ‚Call for Action´ für Die Lähmende Angst?

Genau das ist die Übung für Woche 2: Wahrzunehmen, ab wann es persönlich beim Nachrichtenkonsum körperlich unangenehm wird. Ab wann Die Lähmende Angst uns den Atem nimmt, man körperlichen Druck empfindet – ‚innerlich erstarrt‘. Und genau dann – in diesem Moment – darauf zu reagieren, indem man auf ein anderes Medium umschaltet oder komplett abschaltet. Und so Die Lähmende Angst bewegt. Und erst dann wieder Nachrichten konsumiert, wenn man intuitiv verspürt: Jetzt bin ich wieder bereit dazu.

  • Die Trainings-Einheiten sind täglich.
  • Zu diesem Trainingsprogramm kann auch die Übung aus Woche 1 durchgeführt werden.

© „Die Lähmende Angst“ Judith Hornok

© „Die Lähmende Angst“ Judith Hornok

MEIN TRAININGSTAGEBUCH: Woche 2

Montag: Nach der Stunde Walken bin ich motiviert. Jetzt ist es Zeit Nachrichten zu schauen. Ich drehe den Fernseher auf, bin schon gespannt was es Neues gibt! Der erste Bericht zeigt eine Reihe Todesfälle, erschreckende Bilder dazu. „Die Zahlen sind erschütternd“ tönt es aus dem TV. „Erschreckend – man wird sehen wie es weitergeht …“, ich spüre wie sich meine Lunge zusammen-zieht. Mein Atem wird schwerer. „Was soll´s“, sage ich zu mir, „Sei nicht so übersensibel. So schlimm ist das jetzt auch nicht. Das sind gut recherchierte Informationen, Fakten. So ist es eben im Leben. Das ist die Welt. Du musst doch am Laufenden sein – also komm´, wenn das Andere tun, dann kannst Du das auch. Und so unangenehm fühlst du Dich doch auch nicht, oder? So stark ist der Druck doch nicht – ein bisschen geht noch…“ Ich atme tief ein und aus und sehe mir den Rest der Nachrichten-Beiträge an. In dieser Nacht schlafe ich schlecht.

Habe ich die Lähmungserscheinungen der Angst nicht erkannt? Nicht wahrnehmen wollen? Für den nächsten Tag nehme ich mir vor die Übung disziplinierter durchzuführen.

Dienstag: Nach dem einstündigen Walken fühle ich mich fit und wieder bereit Nachrichten zu sehen. Diesmal logge ich mich auf ein Nachrichten-Portal im Internet ein. Die erste Meldung: „Todesopfer werden nicht weniger…“ Dazu Fotos der Opfer. Ich verspüre einen Kloß im Hals, mein Atem wird schwerer. Jetzt wird mir klar: Die Lähmende Angst ist eingetroffen-wird aktiv, lähmt. Jetzt ist es soweit: Abschalten, wenn es sich körperlich unangenehm anfühlt. Wenn Die Lähmende Angst einen körperlich erstarren lässt – das ist die Übung dieser Woche für das Fitnessprogramm. Jetzt muss ich konsequent sein. Ich schalte von dem Nachrichten-Portal zu meinen Emails, beginne mir diese durchzulesen. Im gleichen Augenblick verspüre ich ein schlechtes Gefühl, irgendwie fühle ich mich schuldig: „Komm, schau weiter, so schlimm war es ja nicht… lies noch die restlichen Nachrichten. Sei nicht so kindisch, Du bist doch erwachsen. Du willst ja informiert sein!!! Und da steht ja auch noch was wirklich Spannendes…“ Ich hole tief Luft – nochmal schalte ich auf den Nachrichten-Blog zurück und lese die restlichen Headlines durch: Arbeitslose, Terror. Am Ende gibt es eine unterhaltsame Geschichte über eine Prominente. Ich lache entspannt auf – na bitte. Ich schalte vom Nachrichten-Portal weg – fühle kurz in mich hinein, verspüre ein bedrückendes Gefühl. Irgendwie fühle ich mich deprimiert, hoffnungslos. Meine gute Stimmung vom Walken ist weg. Diese Nacht schlafe ich unruhig.

Mittwoch: Nach dem heutigen Walken entscheide ich – heute ist Nachrichten-Frei. Die letzten Tage habe ich so schlecht geschlafen. Morgen lese und schaue ich wieder Nachrichten. Diese Nacht schlafe ich ruhig und gut.

Donnerstag: Heute war ein guter Tag. Ich habe beruflich viel weitergebracht, fühle mich beschwingt und emotionell bestärkt. Damit, so entscheide ich, ist heute wieder ein guter Tag Nachrichten zu schauen – ich bin bereit. Mal sehen, wie es mir heute dabei körperlich geht, ob ich beim Zusehen ein Beklemmungs-Gefühl verspüre. Dieses Mal schaue ich TV-Nachrichten. Ich drehe auf – freue mich schon sehr darauf! Der erste Beitrag erzählt eine Erfolgsgeschichte eines Unternehmens. Ich genieße diesen – fühlt sich sehr gut an! Der nächste Beitrag berichtet über ein Erdbeben mit vielen Toten – „Verheerende Zahlen… das ist die Ruhe vor dem Sturm“. Die Bilder, die gezeigt werden, sind erschreckend. Trotzdem, ich nehme wahr, dass ich heute in einer sehr guten mentalen Verfassung bin. Dieser Beitrag berührt mich zwar, aber ich kann ihn mir mit einem gewissen Abstand ansehen. Der darauffolgende Beitrag ist ein unterhaltsamer Bericht. Dann folgt ein Interview. Das Programm schließt mit: „Auch das Wetter macht keine gute Laune. Ich wünsche trotzdem einen schönen Abend.“ Ich drehe den TV ab und atme tief ein und aus: Wie fühle ich mich gerade? Ich spüre in mich hinein – keine Art von Druckgefühl. Auch mein Atem ist ruhig und regelmäßig. Diese Nacht kann ich auch gut schlafen. Die Balance aus meiner mentalen Verfassung und der Gestaltungen der Berichte (aufreibend-dramatisch und positiv-unterhaltsam) haben anscheinend zu meiner ausgeglichenen Nachtruhe beigetragen.

Freitag: Nach dem Walken drehe ich den TV auf, es ist Nachrichten-Zeit – mal sehen wie es mir heute mit meinen Wahrnehmungs-Fitness-Programm für Die Lähmende Angst geht. Der erste Beitrag beginnt mit „Wir sind noch weit vom Ziel entfernt …“, es folgt eine Auflistung von Zahlen und Fakten „Es ist eine hoffnungsloste Situation…“ höre ich eine Stimme dazu. Ich spüre in mich hinein. Wie geht es mir jetzt – in diesen Moment? „Alles in Ordnung“ beruhige ich mich, „Ich spüre keine Art von Druckgefühl. Ich muss also nicht wegschalten – alles gut.“ Ich will weiter schauen, der Beitrag ist spannend gestaltet. Ich atme tief ein – und aus. Es kommt der nächste Beitrag – „Ein weiterer Hotspot – es scheint unmöglich zu stoppen zu sein!“ – die Stimme klingt warnend, es ist ein negativer Unterton dabei. Ich spüre, wie sich meine Lunge zusammenzieht. Ich tue mir schwer beim Atmen, spüre einen Kloß im Hals. „Jetzt ist es soweit!“- sage ich laut zu mir. Jetzt ist Die Lähmende Angst definitiv bei mir eingetroffen und beginnt mich körperlich zu lähmen, zu manipulieren. Und jetzt heißt es diese Kreatur einmal ordentlich zu bewegen: Ich drehe den TV konsequent ab. Ich bin erstaunt darüber, dass es mir überhaupt nichts ausmacht. Ich habe auch kein schlechtes Gewissen dabei, dass ich etwas versäume. Ich fühle mich sehr gut, irgendwie erleichtert. Und stolz, dass ich so konsequent bin. In dieser Nacht schlafe ich auch sehr gut.

Samstag: Nach dem Walken entscheide ich – heute schaue ich mir die Nachrichten nicht an. In dieser Nacht schlafe ich sehr gut.

Sonntag: Die Neugierde lässt mich heute nicht los – nach dem Walken entscheide ich: ich möchte wieder Nachrichten schauen. Aber auch dieses Mal bin ich mir darüber bewusst: Bei einem unangenehmen körperlichen Gefühl (wenn Die Lähmende Angst spürbar lähmend wirkt) sofort darauf zu reagieren, sofort abschalten oder umschalten. Das ist die Übung. Ich logge mich in ein Nachrichten-Portal ein. Die erste Nachricht lautet: „Positive Zahlen für ….“ – na, das klingt ja schon sehr gut. Zügig scrolle ich über die restlichen Headlines der Berichte, lese nur die Headlines – es ist eine Mischung aus warnenden und positiven Zugängen. Bei jeder einzelnen Wortmeldung der Berichte fühle ich jedes Mal in mich hinein-wie es mir dabei geht. Wenn ich körperlich Druck verspüre, gehe ich sofort zum nächsten Beitrag über. Und so gehe ich vor, bis zum Ende der Liste. Es funktioniert heute sehr, sehr gut. In dieser Nacht schlafe ich auch gut.

Ergebnis für Woche 2

Zu Beginn der Woche ist es mir noch schwer gefallen, konsequent abzuschalten oder wegzudrehen, wenn Die Lähmende Angst mich ‚erstarren lies‘, mir einen körperlichen Druck verschafft. Da hatte Die Lähmende Angst noch Überhand. Sowie Der Aggressive Innere Kritiker, der gerne in der Nähe Der Lähmenden Angst ist, diese gerne mit warnenden Worten manipuliert wie: „Na, Du bist vielleicht ein Sensibelchen. Was glaubst Du denn, wie soll das funktionieren? Du willst nicht Nachrichten schauen – das geht ja nicht!!! Das ist ja lächerlich!“ Aber durch das täglich konsequente Trainieren der Achtsamkeit konnte ich diese zwei Emotionalen Hinderer managen, in Bewegung bringen – und damit auch entspannen.

Ich übernahm eine Eigenverantwortung für mich – was meine richtige, tägliche Dosis des Konsums an Nachrichten ist. Und damit variierte ich dann auch – täglich und minütlich. Und entschied: Heute tut es mir gut und heute nicht. An manchen Tagen suchte ich mir auch nur Nachrichten Kanäle, die nur Daten darstellten, ohne Bilder oder Interpretationen.

Ich hatte täglich Kontrolle über meinen mentalen Zustand. Fühlte, wie ich körperlich und geistig täglich fitter wurde. Meine Kreativität und Lebensfreude stieg.

Fitness Programm für die Lähmende Angst – Woche 1

Fitness Programm für die Lähmende Angst – Woche 3

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

13 − 12 =