Judith Hornok

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Frustrierte Erwartungshaltung: Die Erbschaft

Fallbeispiel zur Frustrierten Erwartungshaltung: Die Erbschaft

Simon, ledig, Mitte 50, ist ein fröhlicher Mensch. Heute wirkt er niedergeschlagen. Bei einem Kaffee in der Innenstadt erzählt er mir, was ihn bedrückt:

Decodieren Sie den Moment

„Ich bin echt erschüttert. Meine Mutter hat mir gerade eben mitgeteilt, dass sie mir nun doch nicht das Haus überschreibt. 10 Jahre freue ich mich schon auf das Haus, das schon meinen Großeltern gehörte und in dem ich geboren wurde. Ich wollte eines Tages meine Pension dort verbringen – die gemietete Stadtwohnung verlassen und im Grünen leben, vielleicht sogar einen Oldtimer kaufen (dort gibt es eine Garage). Aber jetzt teilt meine Mutter mir mit, dass sie doch lieber die Hälfe des Hauses an meine Schwester überlassen will, obwohl sie seit Jahren keinen Kontakt zueinander haben. Aber das ist meiner Mutter plötzlich völlig egal. Jetzt kann ich meine Träume vergessen. Ich kann es mir nicht leisten, meiner Schwester die Hälfe des Hauses auszuzahlen. Ich versuche an etwas Anderes zu denken, aber irgendwie schaffe ich es nicht.“

Identifizieren Sie den Emotionalen Hinderer

© „Frustrierte Erwartungshaltung“ Judith Hornok

Achtung: Hier beginnt die Frustrierte Erwartungshaltung Simon zu beeinflussen: „Was soll ich jetzt tun?“, „Hat es überhaupt noch einen Sinn zu versuchen, meine Mutter zu überreden, dass sie mir alleine das Haus überlässt? Erst vor zwei Wochen hat sie wieder betont, wie wichtig es für sie ist. Und jetzt das?“
Wut und Frust kommen auf. Die Frustrierte Erwartungshaltung nagt an Simon: „Warum hält sie nicht ihr Wort? Das hat doch alles keinen Sinn! Sie wird sich nie zu meinen Gunsten entscheiden! Ich fühle mich hilflos, matt und hoffnungslos.“

Verändern Sie die Situation – Bewusstsein: Was kann ich tun

Bevor Sie die Gedanken in den Wahnsinn treiben, weil Sie an alles, was schiefgelaufen ist, an alles, was sich nicht so entwickelt hat, wie erwartet, permanent denken müssen, wenden Sie diesen Experten-Tipp an, um ihre Enttäuschung zu überwältigen, Ruhe zu finden, und um ihre Welt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Experten-Tipp von Gehirnforscherin Dr. Jill Bolte Taylor:

Die amerikanische Gehirnforscherin Dr. Jill Bolte Taylor erlitt 1996 einen Schlaganfall in der linken Großhirnrinde. Trotz des Schadens erreichte sie dadurch eine neue Dimension des Bewusstseins: Sie erlebte, wie fantastisch es sich anfühlt, nur mit der rechten Gehirnhälfte zu arbeiten. Man empfindet dabei eine andere Form der Entspannung.

Zur Erklärung: Die linke Gehirnhälfte hilft uns, Informationen der Außenwelt zu organisieren und ermöglicht systematische Urteile über Richtig oder Falsch sowie über Gut oder Böse zu treffen. Damit ist unsere linke Gehirnhälfte das Schaltsystem für unseren Stress. Sie ist „ein Werkzeug“ (Tool), das wir zum Kontrollieren und Ordnen unserer Welt benutzen.

Die rechte Gehirnhälfte liefert Informationen über den augenblicklichen Moment. Somit ist sie ein außergewöhnliches Tool, um das Bewusstsein gezielt in den Jetztzustand zu versetzen – keine Chance mehr für negative Gedanken, die Sie nicht loslassen wollen.

Dr. Taylors Rat: Nutzen Sie die Fähigkeiten Ihrer rechten Gehirnhälfte

  • Setzen Sie sich auf einen ruhigen Platz, an dem Sie niemand stört.
  • Bedecken Sie Ihr rechtes Auge ganz, indem Sie den Handballen Ihrer rechten Hand an den rechten Augenrand anlegen. Die Finger Ihrer rechten Hand sind dabei ausgestreckt.
  • Mit dem Auflegen Ihrer gesamten Hand auf das rechte Auge bedecken Sie somit diese rechte Fläche, Ihr linkes Auge bleibt dabei geöffnet.
  • Halten Sie diese Stellung.
  • Dieses Gefühl zu kultivieren, kann uns das Gefühl von mehr Frieden geben, unabhängig von der Situation, in der wir uns gerade befinden.

Dr. Taylor empfiehlt:

Am Anfang kann man die Technik für ungefähr zwei Minuten anwenden. Ist man mit der Vorgangsweise vertraut, sollte es dann nur noch 30 Sekunden dauern, bis man einen Wechsel im Gehirn bemerkt.