Judith Hornok

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  1. Fitness Programm für die Lähmende Angst

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    Woche 3

    „60 Sekunden Grinsen“ Technik – Jeden Tag mindestens einmal

    Vielen ist diese Technik bekannt: Man zieht gleichzeitig den rechten und den linken Mundwinkel hoch und hält diese Position für 60 Sekunden.

    Das Ergebnis (auch Neurologen sind davon überzeugt): Nach 60 Sekunden gibt es einen „Klick“ Moment – man wird augenblicklich in eine positive Stimmung versetzt. Fühlt sich gutgelaunt und ist auch entspannt.

    Das hat mich neugierig gemacht. Denn das sind ja genau die richtigen Übungen, um Die Lähmende Angst zu stimulieren, in Bewegung zu bringen. Das ist ja das Ziel dieses Trainingsprogramms.

    Ich habe deshalb diese Technik als Trainingsschritt für Woche 3 verwendet.

    Meine persönlichen Erlebnisse sind im Anschluss in meinem Trainingstagebuch notiert.

    • Die Trainings-Einheiten sind täglich und werden in jeder Situation, wo man „körperliche Lähmungs-Erscheinungen verspürt, augenblicklich angewendet.
    • Zu diesem Trainingsprogramm können auch die Übungen aus Woche 1 und 2 durchgeführt werden.

    © „Die Lähmende Angst“ Judith Hornok

    © „Die Lähmende Angst“ Judith Hornok

    MEIN TRAININGSTAGEBUCH: Woche 3

    Montag: Ich bin schon etwas nervös – in 20 Minuten habe ich ein wichtiges Telefonat. Der Gedanke daran fühlt sich nicht gut an. Ich freue mich überhaupt nicht darauf. Das letzte Gespräch war sehr unangenehm. Ich hatte das Gefühl, die Person am anderen Ende der Leitung hört mir nicht zu; dass wir aneinander vorbeireden. Ich habe keine Lust zu telefonieren, aber ich muss es tun! Ich muss professionell bleiben! Ich spüre, wie sich meine Lunge zusammenkrampft. Ich atme tief ein und aus. Die körperliche Lähmungserscheinung ist noch immer da. So, jetzt ist es soweit, jetzt muss ich die Übung durchführen: Ich ziehe beide Mundwinkel gleichzeitig kräftig nach oben. Ich halte diese Position. Ich beginne zu zählen: „1 – 2 – 3- … – Bei 13 – streift ein Gedanke durch meinen Kopf: „So ein Blödsinn. Warum hältst Du Dich jetzt damit auf? Du solltest Dich lieber auf die Inhalte des Gesprächs konzentrieren. Das Telefonat ist in 10 Minuten!!!“ Der Aggressive Innere Kritiker ist scheinbar eingetroffen; ein weiterer Der Emotionalen Hinderer, der gerne manipuliert. Aber ich ignoriere diesen Gedanken, bleibe konzentriert auf meine Übung. Halte die Position. Dabei atme ich ruhig und gleichmäßig durch die Nase ein und aus und zähle weiter. … 28 – 29 – bei 30 „so ein Blödsinn…“ – da ist er wieder, der kritisierende Gedanke. „Jetzt stark bleiben!“, ordne ich mir Selbst-Disziplin an. „Schön die Position halten und weiterzählen!“ Ich ziehe die Mundwinkel noch stärker nach oben. Dabei visualisiere ich die aggressive, bekrittelnde Stimme als „Person“ – Der Aggressive Innere Kritiker bekommt ein Gesicht, wird zu einer Figur. Das bringt mich innerlich zum Lächeln und erleichtert mir, die Spannung der Mundwinkel zu halten. „Jetzt einfach weiterzählen – 58 – 59 – 60. Geschafft!“ Ich lasse die Gesichtsmuskeln entspannen. Einige wenige Sekunden später ziehen sich Mundwinkel wieder ganz von allein nach oben; ein Jo-Jo-Effekt.

    Ich fühle in mich hinein – es ist kein körperliches Druckgefühl mehr vorhanden. Auch meine nervösen Gedanken sind weg. Ich verspüre Freude und Herzlichkeit. Ich nehme das Telefon zur Hand und rufe an. Dieses Telefonat war gut.

    Dienstag: Ich stehe bei der Bäckerei an. Es ist eine lange Menschenschlange die wartet. Ich bin spät dran, werde ungeduldig, verspüre einen leichten Druck im Hals „hoffentlich schaffe ich das noch…“ Im Geschäft tratscht ein Kunde mit der Verkäuferin, beide lachen. „Was soll das?“ Mein Körper scheint sich innerlich zu erhitzen, ich verspüre ein aufkommendes Wärmegefühl. Das Erzürnte Wutteufelchen scheint sich zu Der Lähmenden Angst dazugesellt zu haben. Ich werde ärgerlich: „Die sollen jetzt endlich weitermachen!!! Wir ALLE warten!!! Und die zwei tratschen? Was ist denn das für eine Frechheit!!!“ Ich hole tief Luft, das Druckgefühl in meinen Körper verstärkt sich. Und auch mein Ärger. Nun möchte etwas ausprobieren: Ob das Fitnessprogramm für Die Lähmenden Angst auch beim Erzürnten Wutteufelchen funktioniert, um es zu entspannen? Ich ziehe ruckartig beide Mundwinkel fest nach oben und halte diese Position für 60 Sekunden. Danach lasse ich los. Meine Gesichtsmuskulatur entspannt sich und wieder gibt es darauffolgend einen Jo-Jo-Effekt – beide Mundwinkeln ziehen sich automatisch wieder hoch. Wie fühle ich mich jetzt? Der Ärger ist weg, sosehr ich es auch probiere, ich kann nicht mehr böse sein. Genau das Gegenteil ist der Fall: Beim Eintritt in das Geschäft schmunzle ich ganz von selbst – von innen heraus. Das Fitness-Programm scheint auch ein Entspannungs-Programm für Das Erzürnte Wutteufelchen zu sein.

    Mittwoch: Ich gehe vom Einkaufen nach Hause, meine Gedanken kreisen in meinem Kopf. Ich erinnere mich an eine Situation, die unangenehm für mich war. Es würgt mich im Hals – wie soll das weitergehen? Ich suche nach Antworten, finde diese aber nicht. Jetzt ist es wieder Zeit für die Übung: Ich atme tief ein und aus und ziehe dabei beide Mundwinkel fest nach oben. Ich halte die Position. Ein Pärchen geht an mir vorbei. Der Mann schaut mich an – und gleich danach zu Boden. Mein breites Grinsen scheint ihn einzuschüchtern. Die Frau neben ihm wirkt im ersten Moment erschreckt. Aber dann lächelt sie, es scheint eine automatische Reaktion auf meinen Gesichtsausdruck zu sein. Ich halte weiter meine Grinse-Position. Noch die letzten Sekunden durchhalten … 58, 59, 60 – geschafft! Ich lasse los. Und wieder gibt es ein paar Sekunden danach einen Jo-Jo Effekt – meine Mundwinkel gehen wieder automatisch nach oben. Nun lächle ich von selbst – die Situation mit dem Pärchen gerade eben war so skurril.

    Ich fühle mich sehr gut, verspüre keine Art von Druckgefühl mehr im Körper.

    Nun widme ich mich wieder meinen Gedanken von vorher, sehe alles entspannt. Was könnte ich tun? Die ersten Lösungsansätze fallen mir ein.

    Donnerstag: Es ist früh morgens – ich fühle mich weder besonders gut noch schlecht. Bin am Weg mir meinen Kaffee zu holen. Auf der Straße kommt mir niemand entgegen. Trotzdem möchte ich jetzt etwas ausprobieren: Inwieweit kann ich mich mit der Grinse-Technik schon frühmorgens motivieren noch besser gelaunt zu sein. Ist das möglich? Ich ziehe beide Mundwinkel rechts und links fest nach oben und halte wie immer die Position. Heute fällt es mir sehr leicht, denn jetzt bin ich schon geübt. Und auch wenn mich wieder kurz ein Gedanke streift: „Ist das jetzt notwendig? Warum machst Du das?“- jetzt ist es nur noch ein Sekunden-Gedanke, der Augenblick vergeht, denn ich habe ein starkes Gegenargument: „Ja, es ist wichtig! Und es tut mir gut!“ Die 60 Sekunden sind vorbei – wie immer lockere ich die Gesichtsmuskulatur und wie immer erfolgt der Jo-Jo-Effekt. Und wie fühle ich mich jetzt: Gut!

    Freitag: Ich mache mich wieder auf den Weg – zum Walken. Auf dem Gehweg kommen mir zwei Frauen entgegen. Sie gehen in der Mitte des Weges, füllen den gesamten Platz aus. Wenn ich nicht auf die Straße ausweiche, werde ich mit ihnen zusammenstoßen. Aber das interessiert die Frauen nicht, sie kommen direkt auf mich zu, weichen nicht aus. Jetzt muss ich handeln – entweder weiche ich auf die Straße aus oder es gibt einen Zusammenstoß. Ich verspüre Hitze in mir: „Unglaublich, was für Egoisten das sind!! Drängen mich auf die Straße!!! Was glauben die eigentlich???“ Ich entscheide mich für die Defensive, reiße ruckartig einen Haken und weiche aus. Im gleichen Moment wende ich die Grinse-Technik an – ziehe ruckartig rechts und links die Mundwinkel hoch und halte die Spannung. Mit diesem Gesichtsausdruck gehe ich an den Frauen vorbei – beide sehen unsicher zu mir rüber. Ich schaue sie direkt an – mit einem riesengroßen Grinser im Gesicht. Das verunsichert sie noch mehr. Jetzt nur nicht die Position aufgeben – die Gesichtsspannung halten und ruhig durch die Nase ein und aus atmen. Dabei zähle ich weiter – 58, 59, 60. Ich lasse los. Die Muskulatur entspannt sich, dann setzt wieder der Jo-Jo-Effekt ein. Und wie geht es mir jetzt – wie fühle ich mich? Ich empfinde für die beiden Frauen keine Wut mehr. Im Gegenteil, ich finde die gesamte Situation sehr amüsant und bin völlig entspannt.

    Samstag: Ich stecke gerade in einer unlösbaren Situation – in meiner Einkaufstasche aus Papier ist eine Flasche zerbrochen. Die Flüssigkeit läuft aus, verteilt sich und plötzlich reisst der Boden der Papiertasche durch. Alle Artikel fallen raus. – „Oh mein Gott!! Was soll ich jetzt tun? Wie soll ich das jetzt alles nach Hause tragen?“ Ich bekomme Panik – es würgt mich im Hals. Ich erinnere mich an die Übung dieser Woche: Die Grinse Technik. Heute fällt es mir überhaupt nicht mehr schwer, jetzt kenne ich die Übung ja schon. Und auch die kritisierende, innerliche Stimme: „Was machst du da? Was soll das? Kümmere dich doch lieber darum, wo du eine Tasche herbekommst!“ wird augenblicklich von mir ignoriert. Ich konzentriere mich nur noch auf die Übung und atme ruhig durch die Nase ein und aus. Und zähle dabei …. 58, 59, 60. Ich entspanne meine Gesichtsmuskulatur und, wie immer, tritt der Jo-Jo-Effekt ein. Meine Nervosität ist weg. Nun fällt es mir viel leichter, konstruktiv zu denken. Und ich beginne zu überlegen: „Was kann ich jetzt tun? Vielleicht passt ja etwas in meine Manteltaschen. Und den Rest kann ich mit den Händen tragen!“ Letztendlich hab ich alles nach Hause gebracht.

    Sonntag: Ich sitze auf einer Bank. Ein Mann kommt vorbei – wir kommen ins Gespräch. Es entwickelt sich eine Diskussion. Mitten in einer meiner sehr emotionalen Aussage bekommt der Mann einen Anruf. Er entschuldigt sich, hebt ab. Während er telefoniert, geht er immer weiter von mir weg, holt sein Rad. Es macht den Anschein, der Mann fährt gleich weg. Ich bin verwundert und enttäuscht: „Wie kann er das tun? Ich war doch noch mitten im Satz!!! Das Gespräch war doch noch nicht beendet. Das habe ich so jetzt wirklich nicht erwartet!!! Ist schon sehr unhöflich wie der sich benimmt. Hier scheint Die Frustrierte Erwartungshaltung als Erste eingetroffen zu sein, ebenfalls einer Der Emotionalen Hinderer – nun schnürt es mir die Luft ab, ich spüre ein Druckgefühl in der Brust: „Vielleicht habe ich ja auch etwas Falsches gesagt?“ (Die Lähmende Angst). „Aber mich so zu behandeln? Das geht doch nicht…. „Ich,Ich,Ich… (Das Aufgeblähtes Ego). Ich fühle mich wütend, ärgerlich. Jetzt ist es soweit: Der Moment ist gekommen, die Übung dieser Woche durchzuführen: Ich ziehe meine Mundwinkel rechts und links mit voller Kraft nach oben und halte diese Position – für 60 Sekunden.

    Und wie geht es mir jetzt, wie fühle in mich? Ich verspüre keine Art von körperlichem Druck, nicht die geringste Negativität gegenüber dem Mann. „Was soll´s“ – denke ich mir, „der wird schon seinen Grund haben.“ Ich widme mich wieder meinem Buch. Nach einigen Minuten höre ich eine Stimme: “Auf Wiedersehen! Hat mich sehr gefreut! Auf bald!“ Ich sehe auf – der Mann verabschiedet sich und winkt mir freundlich zu. Dann steigt er auf sein Rad und fährt weg. Nun lächle ich – von innen heraus.

    Heute habe ich gleich drei Der Emotionalen Hinderer mit dem „Grinse“ Fitnessprogramm trainiert und entspannt: Die Lähmende Angst, Die Frustrierte Erwartungshaltung, Das Aufgeblähtes Ego; Moment – Das Erzürnte Wutteufelchen hatte sicherlich auch kurz vorbeigeschaut. Waren es also doch Vier; Ich lächle weiter und fühle mich entspannt.

    Ergebnis für Woche 3

    Zu Beginn der Woche ist mir das Hochziehen der Mundwinkel noch sehr schwergefallen. Ständig hatten innere Gedanken die Sinnhaftigkeit dieser Übung hinterfragt.
    Doch durch das tagtägliche, konsequente Training ist es mir jeden Tag leichter gefallen.

    Und die Ergebnisse waren immer die gleichen: Ich konnte aggressive, negative Gefühle und Emotionen sofort identifizieren: „Die Emotionalen Hinderer“, wie Das Erzürnte Wutteufelchen, Der Aggressive Innere Kritiker, Das Aufgeblähte Ego, Die Frustrierte Erwartungshaltung und natürlich Die Lähmende Angst. Und ich konnte Die Emotionalen Hinderer besser managen.

    Denn, das steht für mich persönlich fest: diese Übung hat mich in sehr kurzer Zeit in eine sehr positive, gutgelaunte Stimmung versetzt.

    Ich werde diese Übung weiter ausprobieren und in einem halben Jahr weitere Erfahrungen und Ergebnisse veröffentlichen. Hier auf diesem Blog.

    Fitness Programm für die Lähmende Angst – Woche 1

    Fitness Programm für die Lähmende Angst – Woche 2

  2. Fitness Programm für die Lähmende Angst

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    Woche 2

    NACHRICHTEN-KONSUM-SELBSTDISZIPLIN – Nur soviel Nachrichten anschauen, wie man selbst ertragen kann.

    Ich mag Nachrichten-Schauen, sie sind spannend, unterhaltsam, informativ und regen untereinander für Gespräche und Diskussionen an. Was also würden wir ohne Nachrichten tun, wäre doch langweilig, oder?

    Die Herausforderung ist, eine Selbst-Einschätzung durchzuführen. Wieviel kann ich von den News ertragen? Lähmt es mich in meinem Denken und meiner Reaktion? Oder ist es ein ‚Call for Action´ für Die Lähmende Angst?

    Genau das ist die Übung für Woche 2: Wahrzunehmen, ab wann es persönlich beim Nachrichtenkonsum körperlich unangenehm wird. Ab wann Die Lähmende Angst uns den Atem nimmt, man körperlichen Druck empfindet – ‚innerlich erstarrt‘. Und genau dann – in diesem Moment – darauf zu reagieren, indem man auf ein anderes Medium umschaltet oder komplett abschaltet. Und so Die Lähmende Angst bewegt. Und erst dann wieder Nachrichten konsumiert, wenn man intuitiv verspürt: Jetzt bin ich wieder bereit dazu.

    • Die Trainings-Einheiten sind täglich.
    • Zu diesem Trainingsprogramm kann auch die Übung aus Woche 1 durchgeführt werden.

    © „Die Lähmende Angst“ Judith Hornok

    © „Die Lähmende Angst“ Judith Hornok

    MEIN TRAININGSTAGEBUCH: Woche 2

    Montag: Nach der Stunde Walken bin ich motiviert. Jetzt ist es Zeit Nachrichten zu schauen. Ich drehe den Fernseher auf, bin schon gespannt was es Neues gibt! Der erste Bericht zeigt eine Reihe Todesfälle, erschreckende Bilder dazu. „Die Zahlen sind erschütternd“ tönt es aus dem TV. „Erschreckend – man wird sehen wie es weitergeht …“, ich spüre wie sich meine Lunge zusammen-zieht. Mein Atem wird schwerer. „Was soll´s“, sage ich zu mir, „Sei nicht so übersensibel. So schlimm ist das jetzt auch nicht. Das sind gut recherchierte Informationen, Fakten. So ist es eben im Leben. Das ist die Welt. Du musst doch am Laufenden sein – also komm´, wenn das Andere tun, dann kannst Du das auch. Und so unangenehm fühlst du Dich doch auch nicht, oder? So stark ist der Druck doch nicht – ein bisschen geht noch…“ Ich atme tief ein und aus und sehe mir den Rest der Nachrichten-Beiträge an. In dieser Nacht schlafe ich schlecht.

    Habe ich die Lähmungserscheinungen der Angst nicht erkannt? Nicht wahrnehmen wollen? Für den nächsten Tag nehme ich mir vor die Übung disziplinierter durchzuführen.

    Dienstag: Nach dem einstündigen Walken fühle ich mich fit und wieder bereit Nachrichten zu sehen. Diesmal logge ich mich auf ein Nachrichten-Portal im Internet ein. Die erste Meldung: „Todesopfer werden nicht weniger…“ Dazu Fotos der Opfer. Ich verspüre einen Kloß im Hals, mein Atem wird schwerer. Jetzt wird mir klar: Die Lähmende Angst ist eingetroffen-wird aktiv, lähmt. Jetzt ist es soweit: Abschalten, wenn es sich körperlich unangenehm anfühlt. Wenn Die Lähmende Angst einen körperlich erstarren lässt – das ist die Übung dieser Woche für das Fitnessprogramm. Jetzt muss ich konsequent sein. Ich schalte von dem Nachrichten-Portal zu meinen Emails, beginne mir diese durchzulesen. Im gleichen Augenblick verspüre ich ein schlechtes Gefühl, irgendwie fühle ich mich schuldig: „Komm, schau weiter, so schlimm war es ja nicht… lies noch die restlichen Nachrichten. Sei nicht so kindisch, Du bist doch erwachsen. Du willst ja informiert sein!!! Und da steht ja auch noch was wirklich Spannendes…“ Ich hole tief Luft – nochmal schalte ich auf den Nachrichten-Blog zurück und lese die restlichen Headlines durch: Arbeitslose, Terror. Am Ende gibt es eine unterhaltsame Geschichte über eine Prominente. Ich lache entspannt auf – na bitte. Ich schalte vom Nachrichten-Portal weg – fühle kurz in mich hinein, verspüre ein bedrückendes Gefühl. Irgendwie fühle ich mich deprimiert, hoffnungslos. Meine gute Stimmung vom Walken ist weg. Diese Nacht schlafe ich unruhig.

    Mittwoch: Nach dem heutigen Walken entscheide ich – heute ist Nachrichten-Frei. Die letzten Tage habe ich so schlecht geschlafen. Morgen lese und schaue ich wieder Nachrichten. Diese Nacht schlafe ich ruhig und gut.

    Donnerstag: Heute war ein guter Tag. Ich habe beruflich viel weitergebracht, fühle mich beschwingt und emotionell bestärkt. Damit, so entscheide ich, ist heute wieder ein guter Tag Nachrichten zu schauen – ich bin bereit. Mal sehen, wie es mir heute dabei körperlich geht, ob ich beim Zusehen ein Beklemmungs-Gefühl verspüre. Dieses Mal schaue ich TV-Nachrichten. Ich drehe auf – freue mich schon sehr darauf! Der erste Beitrag erzählt eine Erfolgsgeschichte eines Unternehmens. Ich genieße diesen – fühlt sich sehr gut an! Der nächste Beitrag berichtet über ein Erdbeben mit vielen Toten – „Verheerende Zahlen… das ist die Ruhe vor dem Sturm“. Die Bilder, die gezeigt werden, sind erschreckend. Trotzdem, ich nehme wahr, dass ich heute in einer sehr guten mentalen Verfassung bin. Dieser Beitrag berührt mich zwar, aber ich kann ihn mir mit einem gewissen Abstand ansehen. Der darauffolgende Beitrag ist ein unterhaltsamer Bericht. Dann folgt ein Interview. Das Programm schließt mit: „Auch das Wetter macht keine gute Laune. Ich wünsche trotzdem einen schönen Abend.“ Ich drehe den TV ab und atme tief ein und aus: Wie fühle ich mich gerade? Ich spüre in mich hinein – keine Art von Druckgefühl. Auch mein Atem ist ruhig und regelmäßig. Diese Nacht kann ich auch gut schlafen. Die Balance aus meiner mentalen Verfassung und der Gestaltungen der Berichte (aufreibend-dramatisch und positiv-unterhaltsam) haben anscheinend zu meiner ausgeglichenen Nachtruhe beigetragen.

    Freitag: Nach dem Walken drehe ich den TV auf, es ist Nachrichten-Zeit – mal sehen wie es mir heute mit meinen Wahrnehmungs-Fitness-Programm für Die Lähmende Angst geht. Der erste Beitrag beginnt mit „Wir sind noch weit vom Ziel entfernt …“, es folgt eine Auflistung von Zahlen und Fakten „Es ist eine hoffnungsloste Situation…“ höre ich eine Stimme dazu. Ich spüre in mich hinein. Wie geht es mir jetzt – in diesen Moment? „Alles in Ordnung“ beruhige ich mich, „Ich spüre keine Art von Druckgefühl. Ich muss also nicht wegschalten – alles gut.“ Ich will weiter schauen, der Beitrag ist spannend gestaltet. Ich atme tief ein – und aus. Es kommt der nächste Beitrag – „Ein weiterer Hotspot – es scheint unmöglich zu stoppen zu sein!“ – die Stimme klingt warnend, es ist ein negativer Unterton dabei. Ich spüre, wie sich meine Lunge zusammenzieht. Ich tue mir schwer beim Atmen, spüre einen Kloß im Hals. „Jetzt ist es soweit!“- sage ich laut zu mir. Jetzt ist Die Lähmende Angst definitiv bei mir eingetroffen und beginnt mich körperlich zu lähmen, zu manipulieren. Und jetzt heißt es diese Kreatur einmal ordentlich zu bewegen: Ich drehe den TV konsequent ab. Ich bin erstaunt darüber, dass es mir überhaupt nichts ausmacht. Ich habe auch kein schlechtes Gewissen dabei, dass ich etwas versäume. Ich fühle mich sehr gut, irgendwie erleichtert. Und stolz, dass ich so konsequent bin. In dieser Nacht schlafe ich auch sehr gut.

    Samstag: Nach dem Walken entscheide ich – heute schaue ich mir die Nachrichten nicht an. In dieser Nacht schlafe ich sehr gut.

    Sonntag: Die Neugierde lässt mich heute nicht los – nach dem Walken entscheide ich: ich möchte wieder Nachrichten schauen. Aber auch dieses Mal bin ich mir darüber bewusst: Bei einem unangenehmen körperlichen Gefühl (wenn Die Lähmende Angst spürbar lähmend wirkt) sofort darauf zu reagieren, sofort abschalten oder umschalten. Das ist die Übung. Ich logge mich in ein Nachrichten-Portal ein. Die erste Nachricht lautet: „Positive Zahlen für ….“ – na, das klingt ja schon sehr gut. Zügig scrolle ich über die restlichen Headlines der Berichte, lese nur die Headlines – es ist eine Mischung aus warnenden und positiven Zugängen. Bei jeder einzelnen Wortmeldung der Berichte fühle ich jedes Mal in mich hinein-wie es mir dabei geht. Wenn ich körperlich Druck verspüre, gehe ich sofort zum nächsten Beitrag über. Und so gehe ich vor, bis zum Ende der Liste. Es funktioniert heute sehr, sehr gut. In dieser Nacht schlafe ich auch gut.

    Ergebnis für Woche 2

    Zu Beginn der Woche ist es mir noch schwer gefallen, konsequent abzuschalten oder wegzudrehen, wenn Die Lähmende Angst mich ‚erstarren lies‘, mir einen körperlichen Druck verschafft. Da hatte Die Lähmende Angst noch Überhand. Sowie Der Aggressive Innere Kritiker, der gerne in der Nähe Der Lähmenden Angst ist, diese gerne mit warnenden Worten manipuliert wie: „Na, Du bist vielleicht ein Sensibelchen. Was glaubst Du denn, wie soll das funktionieren? Du willst nicht Nachrichten schauen – das geht ja nicht!!! Das ist ja lächerlich!“ Aber durch das täglich konsequente Trainieren der Achtsamkeit konnte ich diese zwei Emotionalen Hinderer managen, in Bewegung bringen – und damit auch entspannen.

    Ich übernahm eine Eigenverantwortung für mich – was meine richtige, tägliche Dosis des Konsums an Nachrichten ist. Und damit variierte ich dann auch – täglich und minütlich. Und entschied: Heute tut es mir gut und heute nicht. An manchen Tagen suchte ich mir auch nur Nachrichten Kanäle, die nur Daten darstellten, ohne Bilder oder Interpretationen.

    Ich hatte täglich Kontrolle über meinen mentalen Zustand. Fühlte, wie ich körperlich und geistig täglich fitter wurde. Meine Kreativität und Lebensfreude stieg.

    Fitness Programm für die Lähmende Angst – Woche 1

    Fitness Programm für die Lähmende Angst – Woche 3

  3. Fitness Programm für die Lähmende Angst

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    Wie kann ich es schaffen, dass die Lähmende Angst nicht überhandnimmt? Mein Denken und meine Handlungen zum Stillstand bringt. Mich mit den Worten manipuliert:“ Das könnte alles falsch sein!!! Einfach nichts machen – nichts entscheiden! Nur nicht bewegen!“ Das habe ich mich gefragt.

    Ich haben eine Lösung dafür: Ab sofort erstelle ich Schritt für Schritt einen eigenen Trainingsplan.

    DAS FITNESS PROGRAMM FÜR DIE LÄHMENDE ANGST

    TRAININGSPLAN IN 3 SCHRITTEN

    Die Lähmende Angst muss in Bewegung bleiben – muss trainieren

    WELCHES ZIEL WIRD VERFOLGT?

    Deshalb habe ich ein 3-wöchiges Fitness-Programm für meinen Lähmenden Angst Charakter entwickelt, dass ich selbst ausprobiere und in meinem Trainingstagebuch notiere.

    Jede Woche erkläre ich Ihnen einen Programm-Punkt. Und präsentiere meine persönlichen Erkenntnisse dazu.

    Wenn Sie mit-trainieren wollen, würde ich mich freuen. Vielleicht gibt es ja Parallelen zu Ihrem ganz persönlichen Lähmenden Angst Charakter, und ich kann Ihnen mit meinem Programm ebenfalls Trainings-Erfolge bescheren.

    Berichten Sie mir davon.

    © „Die Lähmende Angst“ Judith Hornok

    © „Die Lähmende Angst“ Judith Hornok

    MEIN TRAININGSTAGEBUCH: Woche 1

    WARM-UP – Jeden zweiten Tag 1 Stunde Walken

    Montag: Es fällt mir schwer Walken zu gehen. Die Situation während des Tages war sehr anstrengend für mich. Vor allem mental. Ich spüre ein Druckgefühl im Hals, ich atme etwas schwerer. Die Lähmende Angst scheint in Aktion zu treten.
    Durchhalten: Ich ziehe mir rasch meine Sportschuhe an – und gehe los. Gar nicht nachdenken!, sage ich laut zu mir, „Nichts hinterfragen. Einfach nur losgehen – Schritt für Schritt! Und dabei immer tief in den Bauch einatmen und wieder ausatmen; und das tue ich dann auch, konsequent.
    Die ersten 10 Minuten fallen mir schwer, da ist noch ein leichtes Druckgefühl im Hals vorhanden. Aber dann, nach 20 Minuten, verspüre ich eine Erleichterung. Kein Druckgefühl mehr, meine Atmung hat sich entspannt, ist regelmäßig. Und nach 30 Minuten ist der Druck vollkommen weg. Mein Kopf und meine Gedanken sind frei. Nichts fühlt sich erdrückend oder einengend an.

    Mittwoch: Heute ist mir das Walken schon viel leichter gefallen. Alleine die Gedanken daran wie gut es mir am Montag danach ging. Das hat mich gleich von Anfang an motiviert. Und das Ergebnis nach 1 Stunde war, wie schon am Montag: Ein entspannter Körper und ein entspannter Geist.

    Freitag: Heute ist es wieder etwas kalt – nicht wirklich ein Walk-Wetter. „Na komm… Heute brauchst du das doch nicht zu tun. Bist eh schon die ganze Woche gegangen. Das ist ja nicht notwendig. Bleib lieber zu Hause. Du verkühlst Dich noch!!! Ich warne Dich!!! …“; – diese Art von Argumentation kenne ich ja schon, denke ich mir – also einfach nicht hinhören, ignorieren, und losgehen.
    Ich ziehe mich warm an und gehe los – Schritt für Schritt, mit regelmäßigem Ein- und Ausatmen. Nach einer Stunde habe ich das gleiche Gefühl wie Montag und Mittwoch: Ich fühle mich entspannt, ohne jegliches Druckgefühl. Beim Walken kommen mir auch viele kreativen Ideen. Einfach wunderbar.

    Sonntag: Heute habe ich mich schon richtig auf mein Walken gefreut – Hatte es gestern schon richtig vermisst; dieses Gefühl, wie gut es mir danach geht. Diese Körper-Entspannung und diese Klarheit im Kopf. Mit keinerlei Angst-Gefühl, dafür viele kreative, positive Gedanken.

    Ergebnis für Woche 1

    Zu Beginn der Woche hatte die Die Lähmende Angst noch überhand – führte ein permanentes inneres Selbstgespräch. Nach 15 Minuten walken „ordneten“ sich aber die Gedanken und ich wurde immer „freier“ im Kopf. Dieses Gefühl steigerte sich dann, von Minute zu Minute. Meine hoffnungslosen Gedanken fanden neue Zugänge und Denkansätze für Lösungen – so, als wenn sich der Kopf langsam „entleerte“ – Schritt für Schritt. Nach 60 Minuten fühlte ich mich vollkommen frei im Kopf – und wusste auch, wie die nächsten Schritte aussehen sollten. Ich hatte einen Plan.

    Körperlich fühlte ich mich: beschwingt, irgendwie leicht. Und jegliche Art von Druckgefühl und das schwere Atmen war weg.

    Fitness Programm für die Lähmende Angst – Woche 2

    Fitness Programm für die Lähmende Angst – Woche 3